Die Alternative

In Unternehmerkreisen hört man über die Energiestrategie 2050, diese sei zwar nicht perfekt, aber annehmbar. Schliesslich gebe es keine vernünftige Alternative. Stimmt das?

Die Antwort ist zwei Mal nein. Erstens ist das Problem, das die Energiestrategie 2050 lösen soll, nicht naturgegeben, sondern frei gewählt. Das erklärte Ziel, auf 40 Prozent einheimische, günstige und CO2-freie Stromproduktion zu verzichten und neue Kernkraftwerke zu verbieten, ist noch nicht einmal sechs Jahre alt. Wer es nicht setzt, befindet sich nicht im Zugzwang.

Zweitens steckt die Stromversorgung tatsächlich in Schwierigkeiten, die durch die europaweite Politik einer Energiewende – radikale Bevorzugung erneuerbarer Energien und immer tiefere staatliche Eingriffe – verursacht sind. In den USA bezahlen die Endverbraucher für die Kilowattstunde Strom heute 10 Cent. In der Schweiz ist es das Doppelte, in Deutschland das Dreifache. Europas Überregulierung führt zu tiefen Marktpreisen und hohen Endverbraucherpreisen. Der europäische Strommarkt ist faktisch ausser Kraft gesetzt.

Das neue Energiegesetz löst die vorhandenen Probleme der Stromversorgung nicht, sondern verschärft diese noch. Wer sich dieser Erkenntnis heute verschliesst, wird morgen einen fürchterlichen Preis bezahlen. Denn Stromnetze, Kraftwerke und Grenzkapazitäten gehorchen nicht der politischen Korrektheit, sondern den Gesetzen der Physik. Wenn der letzte Toleranzwert einmal überschritten ist, dann knallt es. Der Auslöser wird ein Zufall sein, der bei einer verantwortlichen Politik problemlos aufgefangen worden wäre.

Das Energiegesetz beseitigt nicht die Gefahr des Konkurses und der Verstaatlichung der Stromunternehmen (die vorgesehenen 0,2 Rp./kWh für die bedrängte Wasserkraft sind ein Tropfen auf den heissen Stein und praktisch ein Schweigegeld an die Strombranche und die Gebirgskantone), es bremst nicht den Anstieg der Strompreise, sondern beschleunigt diesen, und es behebt auch nicht die Stromknappheit im Winter, sondern verschärft diese. Von Dreckstrom-Import, fossilen Kraftwerken in der Schweiz und Landschaftsverschandelung ganz zu schweigen.

Wer Bundesrätin Leuthards unzutreffende Rede einer „alternativlosen Energiewende“ übernimmt, mag damit zwar diesem oder jenem Stirnrunzeln entgehen, verrät aber seine Mitbürger, die es nicht besser wissen können, und seine Kinder.

Die Alternative ist übrigens einfach: Ablehnung des Energiegesetzes am 21. Mai, um weiteren Schaden zu verhindern, und den sofortigen Auftrag an den Bundesrat zu einer wirksamen vorübergehenden Nothilfe für die bedrängten Stromwirtschaft, damit diese unsere Vermögenswerte der Stromversorgung zum Wohl aller sichern kann. Begleitend, und dies ist kein Widerspruch, muss der Gesetzgeber sich schrittweise aus dem Energiesystem zurückziehen, damit dieses wieder frei atmen kann und der Strommarkt gesund wird. Alles Übrige ergibt sich dann von selbst.

Einen Foliensatz zu diesem Thema finden Sie hier.

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